STUDIO AMIT GOFFER
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God´s Biometric Data, 2019
Mixed media installation
DISKURS Berlin, 2019


Amit Goffers Arbeit dreht sich um die Tatsache, dass das men-schliche Subjekt situativ gebunden ist. Seine Selbstwahrneh-mung wie die Wahrnehmung seiner Situation ist von der Sit-uation selbst abhängig. 

Edmund Husserl hat von der kinästhetischen Disposition des Bewusstseinssubjekts gesprochen. Was es wahrnimmt, ist rel-ativ zu seiner körperlichen Stellung im Wahrnehmungsraum. Das Bewusstsein verfügt über eine korporale Basis, die seine Perzeptionen determiniert. Mit seinen Bewegungen ver-schiebt sich seine Wahrnehmungsposition konstant. Sein Wahrnehmungsgehalt ist relativ, subjektiv, wie man sagt. Er unterliegt biologischen wie physikalischen, psychischen wie räumlichen Parametern. 
Die Selbstverortung des Subjekts in seinem Umraum verlangt gesteigerte Sensibilität gegenüber der nicht immer bewussten Wirkungsmächtigkeit dieser Parameter. 
Die Idee eines autonomen Wahrnehmungsubjekts wird durch die Tatsache einer heteronomen, durch objektive Faktoren bestimmten Wahrnehmungsdynamik substituiert. Das Sub-jekt gründet nicht in sich, es ankert in keiner letzten Wahrheit. Es unterliegt den Determinanten der Welt, der es als trans-formable Entität angehört. Es ist seinem objektiven Sein un-terstellt, weshalb es nur Teilaspekte der Realität gewärtigen kann. Nie besitzt es sich in seiner Totalität, nie überblickt es das Ganze seiner Welt. Sein Standpunkt wechselt beständig. Das ist das einzig Beständige an ihm. 
Die Erfahrung von Goffers skulpturaler Arbeit wird zur Selb-sterfahrung eines Subjekts, das weder über ein stabiles Selbst, noch über eine substanzial gegebene Welt verfügt. Sie wird zur Erfahrung der ontologischen Relativität menschlichen Seins samt aller seiner Wahrnehmungskoordinaten, die seinen Weltaufenthalt, d.h. seine Weltorientierung, konditionieren.
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WAS IST REALITÄT?, Text: Marcus Steinweg

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Smith’s illustrated astronomy, 1849mith’s illustrated astronomy, 1849


X marks the spot
Mixed media, Edelstahl, Eisen, Plexiglas, Holz, Elektronik, Licht, Radius, 290 X 30 X 170 cm

In der Ausstellung God´s Biometric Data geht es um die unseren Evidenzen implizite Inevidenz bezüglich der Fragen der Selbst- und Weltrepräsentation menschlicher Existenz. Während das mittelalterliche Denken noch auf eine gottgemachte Ordnung (ordo) referieren konnte, auf einen stabilen Weltzusammenhang, innerhalb dessen sich der Mensch nahezu programmiert bewegt (er fällt nicht aus dem Rahmen!), ist das Vertrauen in eine solche übergeordnete Ordnung spätestens mit der Renaissance und der mit ihr aufkommenden Ahnung von der Inexistenz einer verläßlichen Schöpferautorität verlorengegangen. 
Plötzlich tat sich Leere auf, die nur ein Synonym von Kontingenz ist. Nicht, dass es keine Naturgesetze gäbe, doch der Set an Gesetzmäßigkeiten ist nicht in einem transzendenten Prinzip gesichert, er ankert nicht in einer divinen Autorität. Dass die Seinstotalität zuletzt kontingent ist, heißt, dass die Totalität selbst nicht totalisierbar ist, sie scheint unschließbar auf Unvorhersehbarkeit geöffnet, die sich einer finalen rationalen Erfassung entzieht. Daher ist das Motiv der Multiperspektivität, der Parallelwelten, der Inevidenz oder originären Distraktion des Weltzusammenhangs ein zentrales der Ausstellung.


​Farbenkreis, aquarellierte Federzeichnung von Goethe, 1809, Original: Freies Deutsches Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum
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Den Regenbogen zeichnen. Goethes Skizzen von Prismen und Linsen entstanden zwischen 1796 und 1806


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sammlung mit losen enden 06: drei seiten des bildes – Installationsansicht – Amit Goffer, X marks the spot, 2019 und Coming home, 2019 (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Foto: Carl Brunn

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